Lohnt sich eine hEDS/HSD-Diagnose?

Lohnt sich eine hEDS/HSD-Diagnose?

Viele Menschen denken, dass eine hEDS/HSD-Diagnose unnötig ist, da es keine Heilung gibt.
Diese Annahme ist nachvollziehbar – aber nicht nur falsch sondern auch gefährlich.

Inhalt:


Eine ärztliche Diagnose ist extrem wichtig, denn hEDS/HSD:

  • …ist nicht die einzige Ursache für die typischen Symptome: Hypermobilität, Schmerzen und Erschöpfung können viele Ursachen haben.
  • …zwar nicht heilbar sind, aber viele Symptome gelindert werden können: gezielte Physiotherapie, Ergotherapie, Schmerztherapie, Hilfsmittel und Lebensstilanpassungen können deine Lebensqualität verbessern.
  • …führt zum erhöhten Gelenkverschleiss: Mit bewusst gelenkschonenden Alltagstrategien kannst du die Funktion deiner Gelenke länger erhalten und Verletzungen vermeiden.
  • …verursacht häufig Begleiterkrankungen: Diese können besser erkannt und behandelt werden, wenn bekannt ist, dass hEDS/HSD vorliegt.
  • …kann schwerwiegende Komplikationen verursachen: Bestimmte Eingriffe, Medikamente oder Therapien sind bei EDS riskant- mit einer Diagnose kannst du Gefahren vermeiden.
  • …kann die Wirkung von Narkosemitteln verändern: Damit die richtige Dosierung und das passende Anästhesie-Verfahren gewählt werden können, müssen Anästhesist*innen Bescheid wissen.
  • …kann die Nutzung von Hilfsmittel nötig machen: Orthesen, Bandagen, Rollstühle und weitere Hilfsmittel für den Alltag werden in der Regel nur mit einer klaren Diagnose von der Krankenkasse oder Invaliden-Versicherung übernommen.
  • …verträgt sich nicht gut mit Operationen: Auch Routine-Eingriffe bergen hohe Risiken und haben nur eine kleine Erfolgschance- Wenn Bekannt ist, dass du hEDS/HSD hast, können (Folge-)Operationen verhindert werden.
  • …kann zur teilweisen oder vollständigen Arbeitsunfähigkeit führen: Für Unterstützung durch die IV oder Rentenversicherung benötigst du eine gesicherte Diagnose.
  • …kann die Berufswahl beeinflussen: Eine Diagnose hilft dir, eine Tätigkeit auszusuchen, welche du hoffentlich langfristig ausüben kannst.

Medizinische Aspekte

Ausschluss anderer Erkrankungen:
  • Die Symptome von hEDS/HSD – Gelenkschmerzen, Hypermobilität, Erschöpfung – sind relativ unspezifisch und treten bei vielen Krankheiten auf.
  • Da es keinen Labortest für hEDS/HSD gibt, ist eine sorgfältige Abklärung nötig, um andere Ursachen wie rheumatologische Erkrankungen, andere EDSSubtypen, genetische Bindegewebserkrankungen und Muskelerkrankungen auszuschliessen.
Regelmässige Kontrollen:
  • Manche Komplikationen wie zum Beispiel AortenErweiterungen müssen frühzeitig erkannt werden. Daher sind regelmässige Untersuchungen wichtig.
Symptom-Management:
  • Nur, wenn deine Symptome richtig eingeordnet werden, können sie gezielt behandelt werden. Physio-, Ergotherapie, Schmerz- und Fatigue-Management sind extrem wichtig, um deine Lebensqualität zu verbessern.
Operationen:
  • Viele Operationen sind bei hEDS/HSD wenig Erfolgsversprechend und bergen ein erhöhtes Komplikationsrisiko.
  • Eine Diagnose hilft, unnötige Eingriffe zu vermeiden oder die OP-Techniken anzupassen.
Neue Symptome:
  • Ärzt*innen können schneller reagieren, wenn sie wissen, dass hEDS/HSD vorliegt.
  • So können typische Komplikationen und Begleiterkrankungen wie ein Tethered-Cord-Syndrom (Anheftung des Rückenmarks) rechtzeitig erkannt und behandelt werden, bevor bleibende Schäden entstehen.
Medikamente:
  • Manche Wirkstoffe bergen für EDS/HSD-Betroffene Risiken, wirken nicht richtig oder müssen anders dosiert werden.
  • Hierzu zählen unter anderem Fluorchinolone, Lokalanästhetika und gewisse Schmerzmittel.

Auswirkungen auf dein Leben

Eine Diagnose verändert nicht nur die medizinische Versorgung, sondern auch deinen Alltag:

Lebensstil anpassen:
  • Du kannst bewusst Aktivitäten wählen, die deine Gelenke schonen, und Risikosportarten wie Kontaktsportarten oder schweres Gewichtheben vermeiden.
Hilfsmittel nutzen:
  • Bandagen, Kompressions-Kleidung und Orthesen schützen deine Gelenke und helfen, deine Beweglichkeit länger zu erhalten. Anders als bei gesunden Menschen ist ihr langfristiger Einsatz bei EDS oft sinnvoll.
Berufswahl:
  • Gerade junge Menschen profitieren von der Diagnose, da sie frühzeitig eine Tätigkeit wählen können, die sie langfristig ausüben können.
Selbsthilfe & Austausch
  • Mit einer Diagnose kannst du dich mit anderen Betroffenen vernetzen, Erfahrungen teilen und dich dadurch weniger allein fühlen.

Fazit

Eine hEDS/HSD-Diagnose ist der Schlüssel zu besserer medizinischer Versorgung, zu Sicherheit bei Behandlungen, zu Hilfsmitteln, zu rechtlicher Absicherung – und zu Klarheit.
Sie ermöglicht dir, proaktiv mit deiner Erkrankung umzugehen, Komplikationen zu vermeiden und dein Leben vorausschauend zu gestalten.

Auch wenn es keine Heilung gibt: Eine Diagnose kann verhindern, dass du unnötig leidest oder in gefährliche Situationen gerätst. Sie gibt dir die Chance, bewusste Entscheidungen für deine Gesundheit und dein Leben zu treffen.

Bildquelle: Questioning Person Vectors by Vecteezy

Hey hey, ich bin Livia : )

Bin selbst von hEDS, POTS und weiteren Begleiterkrankungen betroffen und weiss, wie herausfordernd der Alltag mit diesen Erkrankungen ist. Als Drogistin und Wissenschafts-Enthusiastin habe ich mich intensiv mit diesen Themen auseinandergesetzt, unzählige Studien gelesen und an Vorträgen und Events der Ehlers-Danlos Society teilgenommen.

Hier findest du fundierte Informationen, praktische Tipps und persönliche Einblicke, die dir helfen sollen, deinen Weg mit hEDS besser zu meistern. Dieser Blog ist für alle, die Antworten suchen, sich allein fühlen oder einfach Unterstützung brauchen. Du bist hier genau richtig – schön, dass du da bist!


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